Gefängnisse
Kulturrisse 03/2004
Gefängnisse erleben ein Revival. Als Labor der Kontrollgesellschaft folgt die neue "große Einsperrung" der Logik des Neoliberalismus: Die
vom System ausgespuckten Armen werden isoliert, wesentliche Teile der Gesellschaft kriminalisiert.
VorRisse
Patricia Köstring
Oppositionen
Gerhard Unterthurner
Foucaults Meinung, dass das Gefängnis immer unwichtiger wird, und auch Deleuzes These, dass die Einschließungsmilieus am Ende seien, müssen modifiziert werden. Denn das, was in den letzten zwei, drei Jahrzehnten geschehen ist, kann man geradezu als Revival des Gefängnisses und einer harten Strafpolitik mit ihren Forderungen nach “Null-Toleranz” und “Law and Order” bezeichnen.
Oppositionen
Ramón Reichert
Wenn es ein Menschenbild gibt, welches das breit angelegte Projekt des Gefängnisses seit dem 16. Jahrhundert am nachhaltigsten charakterisiert, dann es ist der homo laborans, und mit ihm eine Gesellschaft, die sich in ihrem Wesen als eine Arbeitsgesellschaft versteht.
Oppositionen
Jens Kastner
Da kaum eine gesellschaftliche Kategorie dermaßen willkürlich definiert ist wie die des Verbrechens, ist die Frage um so entscheidender, wer diese Festlegung vornimmt. Verstanden als Kristallisationspunkt von Kräfteverhältnissen, bündelt der Staat die Definitions- und Entscheidungsmacht und bildet ihre letzte Instanz.
Oppositionen
Aileen Derieg
Was macht ein Gefängnis in einem Museum moderner Kunst? Warum diese aufwändige Übertragung statt einfacher Videoaufnahmen oder Fotografien? Was in der Verschachtelung dieser gesellschaftlichen Räume vor allem deutlich wird, ist ihre Unterschiedlichkeit. Es geht hier um die Herstellung und Sichtbarmachung von Machtverhältnissen.
Oppositionen
Michael Zinganel
Die Kontrollgesellschaft unterwirft das Individuum permanent einem räumlich-situativen Kontrollmodus. Das Individuum durchläuft die großen Kontrollmilieus der Gesellschaft nicht mehr allein in chronologischer Reihenfolge als Teil seiner Lebensbiografie, sondern es wechselt täglich zwischen den unterschiedlichsten Kontrollmilieus
Katjuschas Statement
Hito Steyerl
katjuschas statement: eine kanakin + ein tschusch ... = diskursive stalinorgel
Katjuschas Statement
Boris Buden
katjuschas statement: eine kanakin + ein tschusch ... = diskursive stalinorgel
Kunstpraxen
Tina Leisch
Ein Schwerpunkt des mikrokino-Programms liegt auf der Selbstverständigung politischer AktivistInnen miteinander, auf schneller Information von unten. Wenige Wochen nach den heftigen Protesten in Seattle, Prag, Genua brachte es Bilder, die weder im Fernsehen, noch in Kinos je zu sehen sind.
Kunstpraxen
Gerald Raunig
Störung und Unterbrechung sind nicht zuletzt Leitbegriffe verschiedener künstlerischer Strategien zwischen Kommunikationsguerilla und performativen Interventionen, die die Flüsse von Kommunikation und Kontrolle zu irritieren versuchen. Das Innsbrucker Projekt re:control fokussierte Überwachungskameras im öffentlichen Raum.
Kunstpraxen
Marty Huber
MAIZ hat es immer auch verstanden, sich Raum einfach zu schaffen und zu nehmen. Das Projekt Kartografische Eingriffe präsentiert sich als ein emanzipatorisches Konzept, das die Gegebenheiten eines Lebensraumes in Frage stellt.
Kunstpraxen
Patricia Köstring
Was ist das Bild der VolxTheaterKarawane? In den Reisen der Karawane, konzertierten Aktionen, geht es um Handlungsformen, die absolute Differenzen und allzu schroffe Grenzen zwischen Kunst und Politik, zwischen Tat und Theorie nicht anerkennen.
Kulturpolitiken
Ljubomir Bratic
Das ASF versteht sich als “Raum” und als “größte gemeinsame Vielfalt” und nicht als politisches Subjekt, das eine Dauerhaftigkeit und - noch wichtiger - politische Schlagfertigkeit nachweisen kann.
Kulturpolitiken
Roland Alton-Scheidl
Kulturauftrag mit kommerziellem Standbein? PUBLIC VOICE Lab hat als Zwitterwesen in der österreichischen Medienkultur in den letzten zehn Jahren mehrfach sein organisatorisches Kleid gewechselt, um ohne Kulturförderung Projekte mit kultur- und gesellschaftspolitischem Anspruch umzusetzen.
Kulturpolitiken
Beat Weber
In der Szene treten Brüche zu Tage: Einige haben die Institutionalisierung geschafft, andere stehen vor dem Problem, endlich etwas mit ökonomischer Perspektive aufzuziehen.Die Neuerfindung des eigenen Tuns als Kleinunternehmen führt jedoch schnurstracks auf das Terrain der Marktwirtschaft.
Kulturpolitiken
Martin Wassermair, Gabi Kepplinger, Peter Riegersperger
Der digitale öffentliche Raum ist als Konfliktzone heiß umfehdet. Produktionsplattformen und künstlerische Netz-Projekte haben daher auch in Österreich ein schweres Los. Die Machtverhältnisse geben keinen Grund, zu Konzessionen in der strategischen Ausrichtung der Netzkultur bereit zu sein.
Kulturpolitiken
Konrad Becker
Der physische Raum des Spektakels ist nicht mehr der Schlüssel zum
Verständnis oder Erhalt von Herrschaft, stattdessen ist die hegemoniale
Kontrolle des virtuellen Raums und der Bildwelten der neue Ort der
Macht.
Fokus
Elisabeth Mayerhofer, Monika Mokre
Seien wir doch ehrlich: Es ist ja nicht unverständlich, dass PolitikerInnen sich das nicht bieten lassen. Sich dauernd von irgendwelchen Möchtegern-KulturrevoluzzerInnen ans Bein pinkeln lassen und dann noch dafür zahlen.
Kosmopolitiken
Ljubomir Bratic
MigrantInnen und KünstlerInnen sehen sich in gegenüberliegenden gesellschaftlichen Positionen bezüglich der Rationalität ihrer Sprechsituation. Obwohl sie dieselben Worte haben, verstehen sie nicht dasselbe darunter. Der Begriff “Gleichheit” heißt für beide Funktionen in unseren Gesellschaften etwas anderes.
Kosmopolitiken
Vina Yun
Antirassistische Engagements scheitern wiederholt in zweierlei Aspekten: die Vereinnahmung durch und die Dominanz von privilegierten AktivistInnen, die nicht rassistisch diskrimiert sind, und das Einfrieren von MigrantInnen als “von Rassismus betroffene”, schwache, schützenswerte Opfer.
Kosmopolitiken
Brian Holmes
Wie kann das Virtuelle real werden? Woran es fehlt, ist weniger die künstlerische Praxis, als eine starke Kritik, die Wert- und Entscheidungskriterien in die öffentliche und professionelle Diskussion einschreibt. Auch nach fünf Jahren intensivsten sozialen und künstlerischen Aktivismus' müssen wir erst eine konstruktive Kritik entwickeln.